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Trockenmauerweg GR221 auf Mallorca
270 Kilometer durch das Tramuntana-Gebirge

Auf Mallorca haben die Trockensteinmauern, Pedra en sec genannt, besonders in der Tramuntana einen hohen Stellenwert.

Die Trockensteinmauern zeichnen sich dadurch aus, dass sie ohne Zement gebaut werden. Die Steinaufschichter, „margers“ genannt, bilden auf Mallorca eine eigene Zunft. Ein offizieller Beruf ist der „marger“ in Spanien jedoch nicht.

Steilhänge, tiefe Schluchten und Felsküste kennzeichnen das 90 Kilometer lange und 25 Kilometer breite Tramuntana-Gebirge, das 2011 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

trockensteinweg
trockensteinweg

Mit Hilfe von Stützmauern haben Menschen die steilen Hänge, wo immer möglich, terrassiert und insgesamt 20 Prozent des gesamten Gebiets für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Steinmauern prägen also nicht nur das Landschaftsbild, sondern haben die Tramuntana in der heutigen Form überhaupt erst bewohnbar gemacht.

Bereits im 15. Jahrhundert wurden Margers auf Mallorca erwähnt, doch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war das Handwerk auf der Insel fast ausgestorben. Die Steinbauten drohten zu verfallen. Auf Initiative des Inselrats werden heute wieder Fachleute im traditionellen Trockenmauerbau ausgebildet. Auch die Wanderstrecke „Ruta de Pedra en Sec“ ist ein Projekt des Inselrats.

Seit 14 Jahren restaurieren Margers nun alte Wege und Kulturdenkmäler entlang der Route wie Steinhütten von Hirten und Waldarbeitern, Schneegruben oder Herbergen.
Der Trockenmauer-Weg führt den Wanderer durch ausgedehnte Steineichenwälder und Wildoliven Haine – vielerorts in Küstennähe – auf bis zu 1000 Meter Höhe. Viele einzigartige Vogelarten sind zu beobachten. Dazu gehören mächtige Mönchsgeier, Eleonorenfalken oder Fischadler ebenso wie Blaumeisen, Rebhühner, Kreuzschnäbel, winzige Zaunkönige oder der Kuckuck mit seinem prägnanten Rufen.
Viele historische Bauten auf dem Weg laden zur Besichtigung ein, etwa das Kloster von Lluc mit seiner Basilika, die Einsiedelei von Son Amer, die Pfarrkirchen von Deià, Banyalbufar, Estellenç und Sóller – Letztere mit einer Jugendstilfassade – oder die mallorquinischen „Possesions“, herrschaftliche Landgüter, wie Es Collet in Estellencs, Sa Baronia in Banyalbufar oder Muleta in Sóller.

trockenmauerroute
trockenmauerroute

Wenn der Trockenmauer-Weg fertig ausgebaut ist, wird er 271 Kilometer umfassen und aus acht Etappen und neun Varianten bestehen. Bislang sind 167 Kilometer Wegstrecke erschlossen und gekennzeichnet, darunter vier komplett ausgeschilderte Etappen von Deià bis Pollença, das Teilstück von Banyalbufar nach Esporles sowie vier Varianten (von S’Arracó zur Coll de sa Gramola, Es Capdellà nach Estellencs, Pas Llis und Tossals Verds nach Orient).
Sechs Herbergen – jeweils am Ende jeder fertiggestellten Etappe – stehen den Wanderern zur Verfügung: Can Boi (Deià), Muleta (Sóller), Tossals Verds und Son Amer (Escorca), Pont Romà (Pollença) sowie die Herberge des Castell d’Alaró.

Der GR 221 ist ganzjährig begehbar und für Wanderfreunde jeden Alters geeignet. Man muss natürlich bedenken, dass es sich um einen Fernwanderweg handelt. So gibt es kaum Rundstrecken und die meisten Etappen sind Tagestouren mit bis zu sechs bis sieben Stunden Gehzeit, wobei selbst geübte Wanderer für die meisten Etappen länger brauchen werden, als auf den Schildern angegeben. Wer die Gehzeiten für den GR 221 berechnet hat, muss im Sturmschritt unterwegs gewesen sein.